Lange hat die Gerüchteküche gebrodelt, jetzt ist es offiziell: Google hat vergangene Nacht mit Lively eine eigene virtuelle Welt eröffnet. Wobei der Begriff „Welt“ dabei nicht nur nicht ganz, sondern fast meilenweit daneben liegt. Denn Lively ist keineswegs als Gegenentwurf zu Second Life zu verstehen.
Im Gegenteil, eigentlich ist es nichts anderes als ein grafischer Chat. Mit Avataren. Und Sprechblasen. Die Avatare können zwar individualisiert, jedoch (noch) nicht komplett selbst erstellt werden. Damit aber noch nicht genug des schon-mal-dagewesen Gefühls. Im Verhältnis zu den enormen Ausmaßen eines Second Live mutet Lively geradezu lächerlich klein an. Gerade einmal 20 User können sich in einem Chat-Raum gleichzeitig aufhalten, zu allem Überfluss ist dieser auch noch lokal begrenzt, heißt, nicht mit den anderen Chats verbunden. Was, mag man sich da fragen, ist also in Google gefahren, einen auf den ersten Blick derart antiquierten Chat zu veröffentlichen?
Die Antwort ist denkbar einfach: Google breitet sich mit Lively weiter aus und kommt der Allgegenwärtigkeit im Netz wieder einen Schritt näher. Denn das Plugin ist für jeden, überall, ganz einfach zu integrieren. Ganz egal ob eigene Website, Blog oder Facebook, auch MySpace soll demnächst folgen. Damit erreicht Google nahezu perfekt die Social-Community-Generation, die in Lively einen neuen Kommunikations-Kanal findet. Und natürlich spielt auch die Google-Tochter YouTube eine Rolle. Deren Videos lassen sich nämlich bequem in Lively einbinden.
Als nette Spielerei kann der Website-Betreiber oder Blogger den Raum zumindest ein wenig seinen Wünschen nach gestalten. So kann zum Beispiel der Grundriss, die Hintergrundmusik oder die Inneneinrichtung gewählt werden. Ein Editor zur Erstellung von nutzergenerierten Inhalten soll noch folgen. Bisher läuft Lively übrigens ausschließlich mit dem Internet Explorer und Firefox, und dies auch nur unter Windows XP und Vista. Spätere Versionen sollen aber auch den Mac und Linux unterstützen.
Obwohl der Dienst, wie von Google gewohnt, kostenlos und werbefrei ist, hat die Firma natürlich Hintergedanken. Denn, abgesehen von der weiteren Durchsetzung des Internets, werden Google-Anzeigen auf einer Website durch die Nähe des Chat-Fensters natürlich besser wahrgenommen. Außerdem erhöht er die Verweildauer auf einer Website, was letztlich ebenfalls der Werbung zugute kommt.
Damit zeigt sich, wenn auch erst auf den zweiten Blick, dass Google auch bei Lively mal wieder alles richtig gemacht hat. [ia Spiegel online & Golem]







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